Die Polarmöwe (Larus glaucoides)

 

 

Die Polarmöwe besiedelt die subarktischen und arktischen Zonen der nördlichen Hemisphäre. Sie ist Brutvogel auf den arktischen Inseln im Nordosten Kanadas und auf Grönland.

 

Der globale Bestand der Polarmöwe wird auf weniger als 100.000 Brutpaare geschätzt, davon brüten allein mindestens. 30.000 Brutpaare auf Grönland. Die sogenannte Fly-Away-Populationn wird dagegen auf 90.000 bis 300.000 Individuen geschätzt.

 

In Europa können wir die Polarmöwe als seltenen Gast während Herbst und Winter beobachten. Dann zieht sie nach Schottland und Nordengland und auch an die südlichen Nordseeküsten (Wattenmeer) und in den Bereich der Ostsee. Teilweise zieht sie im Winter auch in das mitteleuropäische Binnenland und folgt dabei den Flußläufen von Rhein und Elbe.

 

 

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Ausgewachsene Polarmöwe - Quelle: Von Michael L. P. Retter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6034726

 

Steckbrief: Polarmöwe

 

Brutzeit – Gelege - Größe - Gewicht - Alter - Nahrung - Biotop

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Schnepfen-, Möwen- und Alkenvögel (Charadriiformes)

Familie: Möwen (Laridae)

Gattung: Grosse Möwen (Larus)

Art: Polarmöwe

 

Wissenschaftlicher Name: Larus glaucoides

 

Namen und Synonyme der Polarmöwe

 

Artname in Englisch: Iceland Gull

Artname in Gälisch: Faoileag Liath

Artname in Irisch: Faoileán Íoslannach

Artname in Französisch: Goéland arctique

Artname in Spanisch: Gaviota Groenlandesa

Artname in Italienisch: Gabbiano d'Islanda

Artname in Niederländisch: Kleine Burgemeester

Artname in Finnisch: Grönlanninlokki

Artname in Dänisch: Hvidvinget Måge

Artname in Norwegisch: Grønlandsmåke

Artname in Schwedisch: Vitvingad trut

Artname in Isländisch: Bjartmáfur

Artname in Polnisch: Mewa polarna

Artname in Russisch: Полярная чайка

Artname in Inuktitut: Naujaq

 

 

Beschreibung der Polarmöwe

 

Vorkommen / Verbreitung: Brutvogel der subarktischen und arktischen Gebiete des Nordatlantiks, Brutvogel auf Grönland, Ost-Kanad – Baffin Islands.

 

Wanderungen: Im Süden Grönlands ist die Polarmöwe Standvogel, ansonsten Kurzstreckenzieher. Die Wegzug von den Brutplätzen erfolgt ab Ende August; der Heimzug an die Brutplätze erfolgt ab Ende April – Anfang Mai.

 

Überwinterung: Die wichtigsten Wintergebiete sind: Nordatlantik, der Bereich zwischen West-Grönland und den Färöer, Norwegen, England, Schottland, Island.

 

Lebensraum – Biotop: Brütet an steilen Felsküsten und in Fjorden, sowie auf kleinen Felsinseln im Nordatlantik. Außerhalb der Brutzeit hält sich die Polarmöwe auf dem Ozean im Schelfgebiet auf, sowie an eisfreien Küsten und zieht gelegentlich auch in das Binnenland.

 

Verhalten: Leichter Flug mit raschem Flügelschlag. Nahrungserwerb durch Stoßtauchen; fliegt auch hinter Schiffen, um Abfall und Aas einzusammeln; Koloniebrüter, nur selten als Einzelbrüter anzutreffen. Nistet meistens zusammen mit der Dreizehenmöwe.

 

Kennzeichen: Ähnlich Eismöwe, aber kleiner. Entspricht nach der Größe in etwa einer Silbermöwe. Beine Fleischfarben. Körper und Kopf weiß, Schwanz weiß. Rücken und Oberflügel hellgrau. Keine schwarzen Flügelspitzen. Handschwingen heller als Armschwingen.

 

Schnabel: gelb; adult mit rotem Spitzenfleck im Unterschnabel

Beine und Füße: fleischfarben

Iris: adulte Vögel zeigen einen rötlichen Augenring; Iris adult = hell / gelblich, juvenil = dunkelbraun.

 

Größe: 52-64 cm

Gewicht:

♂ + ♀: 460-1039 g

Spannweite: (125-) 140-150 cm

Flügellänge:

♂: 39,5-44,3 cm

♀: 37,2-41,7 cm

 

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Eier der Polarmöwe - Quelle: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37098607

 

Stimme - Ruf: Schrille und hohe Rufe, ähnlich der Silbermöwe.

 

Geschlechtsreife: Polarmöwen werden wahrscheinlich nach 3-4 Jahren geschlechtsreif.

 

Paarungszeit: monogame Saisonverbindung, hohe Brutplatztreue. Die Paarbildung erfolgt nach Ankunft im Brutrevier

 

Bruten: meistens 1 Jahresbrut.

Eiablage: In Westgrönland erfolgt die Eiablage zwischen Mitte Mai und Mitte Juni.

Brutzeit: Mai bis Juli

Brutrevier: Koloniebrüter an ähnlichen Stellen wie Eis- und Silbermöwen.

Nest: Das Nest der Eismöwe ist eine Anhäufung aus Zweigen, Tang, Gras, Moos, Heidekraut und Federn, die in der Umgebung aufgesammelt werden; ähnlich der Eismöwe, nur kleiner.

 

Neststandort: auf Felsbändern an Steilküsten, auch am Fuß von Steilküsten.

 

Gelege: 2-3 Ei.

Eier: Die Eier ähneln der Eismöwe (L. hyperboreus) sind aber kleiner; langoval mit einem spitzen Ende, hellbrauner Grundton mit dunkelbraunen Flecken und Tupfen.

 

Eimasse und Eigewichte:

Länge: 62,5-75,8 mm

Breite: 44,7-51,3 mm

Ø Eimass: 68,64x48,26 mm

Frischvollgewicht: ca. 82 g

Schalengewicht: 4,85-6,7 g; Ø = 5,63 g

 

Nachgelege: wahrscheinlich keine Nachgelege.

Legeabstand: unbekannt

Brutdauer: ca. 30 Tage

 

Nestlingsdauer: ca. 30 Tage.

 

Flügge: Die Jungen fliegen zwischen dem 20. Juli und dem 10. August, manchmal auch später aus (vgl. Salomonsen in Glutz v. Blotzheim). Die ausgeflogenen Jungen halten sich anfangs noch am Strand, in der Nähe des Spülsaumes auf, bevor sie in das Winterquartier ziehen.

 

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Immature Polarmöwe - Quelle: Von Mdf - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=589847

 

Nahrung: Fische, Crustaceen, Mollusken, Aas, Abfall, auch vegetarische Nahrung wie z.B. Beeren und dergleichen (Vegetabilen).

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel erreichte ein Alter von 18 Jahren.

 

Mortalität: unbekannt.

 

Feinde und Gefährdungen: Nahrungsverknappung, Überfischung der Sandaale, Überfischung im allgemeinen, Klimawandel

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein. Naturschutz

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 8/I, Charadriiformes (3. Teil) , Akademische Verlagsgesllschaft Wiesbaden, 1982

 

 

Bildnachweise

 

Ei der Polarmöwe - Quelle: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37098607

Polarmöwe schwimmend im Wasser #1 - Quelle: Von Michael L. P. Retter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6034726

Immature Polarmöwe - #2 - Quelle: Von Mdf - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=589847