Der Buchfink (Fringilla coelebs)

 

 

Der Buchfink gehört als Singvogel zu den Finken und ist in 18 Unterarten über sein Verbreitungsgebiet verteilt. Die Nominatform des Buchfinken (Fringilla coelebs) ist über ganz Europa verteilt. Nur im Norden von Norwegen, Finnland und Russland kommt der Buchfink nicht vor.

 

Größenmäßig ist der Buchfink mit dem Haussperling zu vergleichen, jedoch ist der Korpus schlanker, der Schwanz länger und der Kopf kleiner und runder. Als Brutvogel ist der Buchfink in Mitteleuropa und in Deutschland ein häufiger Brutvogel und, im Winterhalbjahr, teilweise auch Standvogel. Während des Winters können auch Zugvögel des Buchfinken aus dem Norden Europas in Deutschland überwintern.

 

Der Brutbestand des Buchfinken wird in Europa auf insgesamt 130-240 Millionen Brutpaare geschätzt. Im Nationalen Vogelschutzbericht für Deutschland wird die Bestandsgröße mit 7,55-9,05 Millionen Brutpaaren angegeben, der Populationstrend für den Zeitraum 2004-2016 wird als stabil angegeben.

 

 

buchfink an futterstelle
Buchfink ♂ an der Futterstelle
buchfink an fuetterung
Buchfink ♀
buchfink an futterstelle
Buchfink ♂

 

Steckbrief: Buchfink

 

Brutzeit – Alter – Gewicht – Fortpflanzung – Lebensraum – Nahrung

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Finkenvögel (Fringillidae)

Gattung: Finken (Fringilla)

Art: Buchfink

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Fringilla coelebs

Artname Englisch: Common Chaffinch

Artname Französisch: Pinson des arbres

Artname Niederländisch: Vink

Artname Finnisch: Peippo

Artname Dänisch: Bogfinke

Artname Schwedisch: Bofink

Artname Polnisch: Zięba

 

Vorkommen / Verbreitung: Mit Ausnahme des Nordens von Fennoskandinavien ist der Buchfink Brutvogel in ganz Europa. Im Westen beginnt das Verbreitungsgebiet auf den Azoren, Madeira und Kapverden und erstreckt sich von dort östlich über Nordafrika, Europa, über Israel und den Nord-Iran, über die Steppengebiete am Schwarzen Meer bis zum Nord-Kaukasus. Weiter östlich reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Kasachstan. Die Brutbestände in Südafrika und Neuseeland stammen aus erfolgreichen Einbürgerungen durch Einwanderer. In Mitteleuropa kommt der Buchfink bis in Höhen von 2300 m vor.

 

Wanderungen: Teilzieher. Bei der Kohlmeise sind Migrationen über kurze Distanzen bekannt. Der Buchfink ist je nach Standort und Brutpopulation Zugvogel oder Teilzieher (Ausweichbewegungen), teilweise auch Standvogel. Die Brutvögel aus Irland und Großbritannien Standvögel.

 

Überwinterung: Die Hauptwintergebiete des Buchfinken sind in West- Südwest- und Südeuropa. Entscheidend für eine Überwinterung sind langfristig schneefreie Bereiche. Außerhalb Europas überwintert der Buchfink auch in Nordafrika, Irak, Iran und bis nach Pakistan.

 

Lebensraum - Biotop: Wälder aller Art (Laub-, Misch-, und Nadelwälder), größere Baumgruppen, Feldgehölze, Alleen, Parks, Anlagen, in Randzonen von Siedlungen, in Städten und großen Ballungsräumen, baumbestandene Gärten, begrünte Höfe, Hofanlagen, Hinterhöfe, begrünte Innenhöfe in Wohnanlagen.

Die Kohlmeise besiedelt auch kleine Feldgehölze, Parks, Alleen, Gärten und Stadtbereiche. In der Stadt lässt sich die Kohlmeise durch die Bereitstellung von Kunsthöhlen ansiedeln.

 

Verhalten: Der Buchfink ist tagaktiv und zieht auch am Tag. Flug ist der typische Finkenflug mit wellenförmiger Flugbahn. Läuft am Boden. Nahrung wird am Boden aufgenommen. Insekten werden vom Boden, von Blättern und Bäumen aufgelesen, fliegende Insekten werden auch im Verfolgungsflug gefangen. Zur Brutzeit territorial. Während des Herbst und über den Winter schließen sich Buchfinken Schwärmen zusammen und übernachten auch an gemeinsamen Schlafplätzen.

 

Kennzeichen: Größenvergleich wie Haussperling, jedoch schlanker Korpus, längerer Schwanz, kleiner runder Kopf; gerader, konischer Schnabel. In allen Kleidern: Weiße Schwanzaußenkanten; zwei breite weiße Flügelbinden (auch im zusammengelegten Flügel erkennbar); grüner Bürzel.

 

Schnabel: ♂ im Brutkleid blaugrau mit dunkler Spitze; in Herbst und Winter hellbraun mit dunkler Spitze; ♀ und juv. = braun.

Beine und Füße : hellbraun.

Iris: braun

 

Größe: 14,5 cm

Gewicht:

♂: 19,8-30,0 g, Ø 24,0 g

♀: 20,0-40,0 g, Ø 23,2 g

Spannweite: 24,5-28,5 cm

Flügellänge:

♂: 79,6-99,0 mm; Ø 88,3 mm

♀: 79,8-89,0 mm; Ø 83,3 mm

 

Stimme und Ruf: Der Buchfink hat mehrere Rufe: Ruf bei Erregung, ein ein- oder mehrsilbiges „pink“; Regenruf „wrüt“; Flugruf, ein kurzes „djüb“; Warnruf, ein hohes „tjü“ oder „sii“; der Gesang ist eine Folge von lauten Strophen und Tonelementen, in abwechselnder Höhe, die mit einem schmetternden Abschlußelement enden.

 

Geschlechtsreife: Beim Buchfinken tritt die Geschlechtsreife im Frühjahr des 2. Kalenderjahres ein.

 

Paarung: Buchfinken schließen sich zu monogamen Saisonverbindungen zusammen. Wiederverpaarung ist bei Standorttreue möglich. Standvögel bleiben teilweise auch über den Winter zusammen.

 

Paarungszeit: Die Balz beginnt nach der Revierbesetzung des ♂.

 

Reviergründung: In Mitteleuropa erscheinen die Standvögel ab Mitte Februar bis März wieder in den Brutrevieren. Erstbrüter im 2. Kalenderjahr erscheinen meist später.

 

Bruten: 1-2 Jahresbruten, in milden Zonen sind Zweitbrüten häufiger als z.B. im Baltikum, wo Zweitbruten nur noch 3% des Brutgeschäfts ausmachen.

Legebeginn: frühestens Ende März, allgemein ab Anfang bis Mitte April

Brutzeit: März-spätestens bis Mitte August

 

Nest: Neststand meist in Astgabel oder auf dem Ast in Bäumen und Büschen. Die Höhe der Nestanlage variiert von mindestens 0,25 m bis zu maximal 25 m Bodenhöhe. Der Buchfink brütet in Laub- und Nadelwäldern und – gehölzen, aber auch in Dornensträuchern, wo dann niedrige Neststandorte eingenommen werden. An Mauern werden Nester auch in Spalier- und Kletterpflanzen (z.B. Efeu) angelegt. Der Neststandort wird vom ♀ bestimmt.

 

Das Nest des Buchfinken ist eine Halbkugel, und aus mehreren Schichten gebaut. Die Außenschicht besteht aus einem Geflecht von Flechten, Spinnen- und Insektengespinsten. Danach folgt eine Schicht aus Moos und Gras, die innere Mulde besteht dann schon überwiegend aus Gras, und wird mit feinem Material aus Wurzeln, Halmen, Tierhaaren und Federn ausgekleidet. Das Nest wird durch das ♀ gebaut. Der Nestbau eines Nests kann 3-18 Tage dauern.

 

ei des buchfinken museum de toulouse common license
Buchfink Ei - Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27068095 - siehe Bildnachweise

 

Gelege: (mindestens 2-) 3-6 (max. -7) Eier

Eier: Eier meistens in ovaler Form, auch das ist nicht sicher; Grundfarbe variiert von rötlichgrau bis bläulich, durchzogen von purpurnen Strichen und „Brandflecken“.

Eimasse und Eigewichte:

Länge: 17,0-21,2 mm

Breite: 13,0-15,2 mm; Ø: 19,4x14,4 mm

Schalengewicht: 1,64-2,55 g; Ø: 2,07 g

 

Nachgelege: bis zu 3 Nachgelege möglich, Ersatzgelege werden scheinbar immer in neuen Höhlen angelegt.

Legeabstand: 1 Tag

Brutbeginn: mit Ablage des vorletzten Ei, es brütet nur das ♀

Brutdauer: 10-14 Tage

 

Schlüpfen: Die Jungen des Vollgeleges schlüpfen innerhalb von 1-2 Tage, maximal bis zu 3 Tage.

 

Nestlingsdauer: Nesthocker, die noch bis zum 8. Tag gehudert werden, 12-15 Tage

 

Füttern: Beim Buchfinken füttern beide Altvögel

 

Flügge: Nach dem Verlassen des Nests sind die Jungen schon flugfähig, verbleiben aber noch 20-35 Tage im Familienverband mit den Altvögeln, die sie anfangs auch noch füttern.

 

buchfink an futterstelle
Buchfink ♀
buchfink an futterstelle
Buchfink ♀ an Futterstelle

buchfink an futterstelle
Buchfinken ♀ bei der Nahrungsaufnahme
buchfink an futterstelle
Buchfink ♂
buchfink an futterstelle
Buchfink ♀

 

Nahrung: Im Sommerhalbjahr überwiegt die Aufnahme von Insekten, während im Winterhalbjahr die Aufnahme von Samen (granivor) überwiegt. Als Samen werden aufgenommen: Bucheckern, Getreide, Wildkräutersamen wie Gänsefuß, Ackersenf, Knöterich, Miere. Die tierische Nahrung besteht aus Insekten wie Zuckermücken, kleine Zweiflügler, Käfer, Spinnen, Ohrwürmer. Die Nahrung der Jungen besteht aus kleinen Insekten und später auch aus größeren Insekten, Raupen und Spinnentieren.

 

Lebensdauer: Die ältesten bekannten Ringvögel der Buchfinken erreichten ein Alter von 17 Jahren; auch bis zu 15 Jahre.

 

Sterblichkeit - Mortalität: im ersten Jahr liegt die Sterblichkeit bei den jungen Buchfinken bei ca. 55%; vom Ausfliegen bis zur nächsten Brutperiode im folgenden Kalenderjahr, liegt die Sterblichkeit bei 68-74%, später sinkt die mittlere Sterblichkeit auf 35-53%.

 

Feinde: Sperber, Elster, Eichelhäher, Dohle, Krähen. In der Landwirtschaft Rückgang der verfügbaren Brachflächen, Straßenverkehr, Verluste auf Zugwegen und dort auch direkte Bejagung und Fang.

 

 

buchfink an futterstelle
Buchfink ♀

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Passeriformes, Band 2, AULA-Verlag Wiesbaden, 1993

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 14/I, Passeriformes (5. Teil), AULA Verlag GmbH Wiesbaden, 1997

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 gemäß Artikel 12 Vogelschutzrichtlinie, Berichtsdaten aus dem Abschnitt Blr...E Brutvögel + Verbreitungskarten (pdf download)

 

 

Bildnachweise

Ei des Buchfinken: Attribution: Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27068095; File URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e7/Pinson_des_arbres_%E2%80%93_Fringilla_coelebs_moreletti_%E2%80%93_Flamengos_Fayal_A%C3%A7ores_222.jpg; Page URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pinson_des_arbres_%E2%80%93_Fringilla_coelebs_moreletti_%E2%80%93_Flamengos_Fayal_A%C3%A7ores_222.jpg