Die Eiderente (Somateria mollissima)

 

 

Was ist eine Eiderente?

 

Die Eiderente ist die größte und schwerste Ente in der Nordsee. Das Prachtkleid des Erpels ist sehr auffällig und die drei Farben sind weiß, und schwarz und grün. Als Brutvogel kommt die Eiderente im Wattenmeer auf den westfriesischen Inseln (Niederlande) und den ostfriesischen Inseln (Deutschland) vor. Die Brutvögel der nordatlantischen Küsten verbringen zum Teil die Winterzeit im Wattenmeer.

 

 

 

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Eiderente - Erpel am Strand
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Eiderenten - Erpel - ruhen am Strand

 

Die Nahrung der Eiderente

 

Wovon ernährt sich die Eiderente? Die Eiderente ernährt sich fast ausschließlich auf tierischer Basis. Zur täglichen Nahrung zählen vor allem Mollusken (=Weichtiere) und Krustentiere (Krabben).

 

Auch Muschelbänke werden nach passender Beute abgesucht, wobei Muscheln mit Schale verschluckt werden. Bevorzugt werden Muscheln mit Längen von 7 bis 40 mm erbeutet. Miesmuscheln werden nur bei Tauchgängen mitgebracht, ansonsten beachten Eiderenten auf Muschelbänken die Miesmuschel nicht. Auch Wasserinsekten und Hohltiere können zum Speiseplan gehören (zu den Hohltieren gehören Nesseltiere und Rippenquallen).

 

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Eiderente

 

Wie findet die Eiderente ihre Nahrung?

 

Eiderenten gründeln im Flachwasser, mit dem Kopf unter Wasser.  Bei Ebbe im Watt sind Eiderenten zu Fuß unterwegs und klauben fressbares von der Oberfläche ab oder reißen es aus dem Substrat heraus, teilweise werden auch Muscheln oder Krustentiere ausgegraben. Es kann vorkommen, daß einzelne Individuen bis zu 20-30 mal pro Minute gründeln.

 

Eiderenten können tauchen. In tieferem Wasser taucht die Eiderente bis zu 6 Meter Tiefe, allerdings können auch Tautiefen von 15-20 Metern erreicht werden. Die Tauchzeit pro Tauchgang liegt überwiegend unter 50 Sekunden kann im Maximum aber auch über 70 Sekunden liegen. Getaucht wird oftmals für einen längeren Zeitraum an derselben Stelle.

 

Bei der Erbeutung von Krabben haben Eiderenten ihre ganz spezielle Technik. Zuerst werden die Krabben mit dem Schnabel an 2-3 Beinen angefasst und heftig hin- und hergeschüttelt. Das Eigengewicht des Krabbenkorpus sorgt dann dafür, daß die Beine abreißen. Die Beine werden dann komplett (mit Schale) verschlungen. Das wiederholt die Krabbe mit allen Armen und Beinen, bis nur noch der Korpus übrig ist, der dann ebenfalls gefressen wird.

 

Die Schalenreste werden später von den Eiderenten als Speiballen wieder ausgewürgt.

 

 

 

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Eiderenten-Erpel am Strand - im Hintergrund zwei Weibchen

 

Das Sozialverhalten der Eiderenten

 

Während des ganzen Jahres sind Eiderenten gesellig und suchen die Nähe der Artgenossen. Selbst die Paarbildung ändert daran nichts. Innerhalb der Gruppen sind dann die Paare das kleinste Aggregat. Erpel bleiben nach der Eiablage noch einen Monat bei Gelege und Weibchen und sondern sich dann ab, um reine Erpelgesellschaften zu bilden. Diese Erpeltrupps mausern dann auch gemeinsam die Schwungfedern.

 

 

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Eiderenten am Strand

 

Die Mauserquartiere der Eiderenten

 

Es ist bekannt, daß die meisten Eidererpel und ein großer Teil der Weibchen die Handschwingen nicht in Brutplatznähe, sondern in besonderen Mauserquartieren mausern. Die bekannten Mauserquartiere sind die flachen Gewässer um die Insel Jordsand und die Gewässer westlich des dänischen Høyer. Weitere Mauserquartiere sind aus der russischen Kandalakscha-Bucht bekannt.

 

Der Abzug der ♂ in die Mauserquartiere beginnt bereits ab Mitte Mai. Die Brüter aus der nördlichen Ostee sowie von den niederländischen und deutschen Wattenmeerinseln ziehen ab Ende Juli/Anfang August, die ♀Ende Juli/Anfang August. Im niederländischen Wattenmeer und in der Ostsee leitet der Beginn des Mauserzuges auch gleichzeitig den Wegzug der gesamten Brutpopulation ein.

 

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Eiderenten-Erpel in der Mauser
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Eiderente - Erpel bereits in der Mauser

 


 

Steckbrief: Eiderente

 

Brutzeit - Größe - Gewicht - Alter - Nahrung - Lebensraum

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)

Familie: Entenvögel (Anatidae)

Unterfamilie: Enten (Anatinae)

Gattung: Meerenten und Säger (Mergus)

Art: Eiderente

 

Beschreibung:

Wissenschaftlicher Name: Somateria mollissiama

Artname Englisch: Common Eider

Artname Französisch: Canard marins

Artname Niederländisch: Eider

 

Vorkommen / Verbreitung: Brutvogel an den Küsten des Nordatlantiks und an der nordsibirischen Küste. Europäische Brutgebiete sind Island, Spitzbergen, Franz-Joseph-Land, Nordrussland, Fennoskandinavien, Dänemark, die Küsten im Ostseegebiet, britische Inseln, sowie an der niederländischen und deutschen Küste. Die Eiderente brütet auch auf der Insel Helgoland. Die Hauptvorkommen befinden sich mit 450.000 Paaren (=900.000 Individuen) auf Island und mit 600.000 Paaren im Ostseegebiet. Nur etwa 6.000 Paare brüten im Wattenmeer.

 

Wanderungen: Die Eiderente ist Stand- und Strichvogel und auch Teilzieher.

Überwinterung: Im Wattenmeer und in der Ostsee existieren Mauser- und Überwinterungsgebiete; diese befinden sich entlang der Küsten von Vorpommern, Mecklenburg und Schleswig-Holstein. Die Küste des deutschen Wattenmeeres von der Elbemündung nach Westen über die Niederlande und Belgien bis zur französischen Atlantikküste. Daneben gibt es auch „Winterausharrer“, die auf Spitzbergen bleiben, sowie im Weißen Meer (Murmanskküste) einem Teil der Barents See. Weiter gibt es Überwinterer an der norwegischen Küste sowie im Kattegat und in Westdänemark. Die Brutpopulationen von Spitzbergen ziehen in den Norden von Großbritannien und nach Norwegen.

 

Lebensraum - Biotop: Nahrungsreiche Meeresküsten. Die Eiderente brütet an der Küste und auf vorgelagerten Inseln, sowie auf Inseln in größeren Binnenseen. Außerhalb der Brutzeit besiedelt die Eiderente flache Meeresbuchten und Muschelbänke. Im Wattenmeer ist die Eiderente im Winter oftmals weit entfernt von der Küstenlinie zu finden.

 

Verhalten: Die Eiderente ist tag- und nachtaktiv, wobei die Nahrungssuche während der Tagstunden stattfindet. Dabei passt sich die Eiderente der Tide an.

 

Kennzeichen: Die Eiderente ist größer als die Stockente, sie wirkt plump und kurzhalsig mit keilförmig dickem Schnabel. Besonders auffällig ist das Brutkleid des Erpels, dessen Hauptfarbe weiß und dann schwarz und grün ist.

 

Das Brutkleid des ♂ ist weiß an Hals, Brust und Rücken, auch ein Großteil des Kopfes ist weiß; dagegen sind Scheitel und Stirn weiß, Nacken und Halsseiten grün. Der Bauch, Arm- und Handschwingen, Handdecken, Hinterrücken und Schwanz sind ebenfalls schwarz. Das Schlichtkleid des ♂ ist dunkel bis schwarzbraun, die Vorderflügel sind weiß, Brust und Rücken sind mit weißen Federn durchmischt.

Das Kleid des ♀ ist braun mit dichter dunkler Bänderung, im Flug ist ein schmaler weißer Flügelquerstrich zu sehen. Das Prachtkleid des ♀ ist ungefähr rötlich-braun und das Schlichtkleid hellbraun.

 

Der Schnabel des ad. ♂ist an der Schnabelbasis gelb bis grün ansonsten bläulichgrau, mit heller Spitze; beim ad. ♂ ist die Schnabelfarbe dunkel schmutziggrün mit hellem Nagel. Füße: ♂ olivgelb bis grün, ♀ dunkel-schmutziggrün. Iris in allen Kleidern braun

 

Größe: 60-70 cm

Gewicht: Je nach Brutgebiet unterschiedlich. In dänischen Brutgebieten wiegen im 3. Lebensjahr die ♂ im Mittel 2258 g und die ♀ im Mittel 2198 g (vgl. Glutz von Blotzheim, Eiderente, Maße, Bd. 3, S. 172)

Spannweite: 95-105 cm

 

Stimme und Ruf: ruft eher in der Balz, dann lauter Ruf des ♂ „uhu uhu“ kann auch wie „hu uuu“ klingen, dazu kommt ein „gogogogogogogog“ oder ein knarrendes „korr“.

 

Fortpflanzung:

Geschlechtsreife: Die Eiderente erreicht die Geschlechtsreife teilweise schon im zweiten Lebensjahr, meistens erst im dritten Lebensjahr.

Erstmalige Brut: ab dem dritten Lebensjahr.

Paarungszeit: die Balz beginnt bereits auf hoher See und oftmals schon im Oktober und nimmt an Intensität während des Winters zu; monogame Saisonverbindung, Wiederverpaarung ist möglich wenn sich die vorjährigen Partner am Brutplatz wiedertreffen. Da die Geschlechter getrennt in die Mauserquartiere abziehen ist eine Wiederverpaarung allerdings eher unwahrscheinlich.

 

Bruten: 1 Jahresbrut

Eiablage: In den südlichen Gebieten ist der früheste Legebeginn ab Anfang/April – Anfang Mai

Brutzeit: Ende März/Anfang April-Juni

 

Nest: meist offen hinter Bodenerhebungen oder unter Büschen, auch in Bodenvertiefungen. ♀ wählt den Nistplatz. Als Nistmaterial wird auf das örtliche Angebot an Pflanzen, Muscheln und kleinen Steinen zurückgegriffen. Nester teilweise in artreinen Kolonien, teilweise wird auch unter Möwen gebrütet.

 

Gelege: (1) regelmäßig 4-6 (selten bis 8) Eier, größere Gelege könnten von zwei Weibchen stammen.

Eier: Form stumpfoval bis länglich, Farbe unterschiedlich blaßoliv, grau oder beige.

Nachgelege: Nachgelege nur bei frühzeitigem Gelegeverlust

Legeabstand: 24 Stunden

Brutbeginn: wahrscheinlich mit Ablage des letzten Ei

 

Brutdauer: 25-28 Tage, überwiegend brütet das ♀, das ♂ ist nur in den ersten Tagen ebenfalls mit der Bebrütung betraut. Vor dem Verlassen des Geleges werden die Eier mit Dunen zugedeckt.

 

Nestlingsdauer: bedunte Nestflüchter. Die Jungen werden schon kurz nach dem Schlüpfen vom ♀  zum Wasser geführt. Dabei schließen sich teilweise auch nichtbrütende Weibchen an. Die einzelnen Schofe schließen sich zu größeren "Kindergärten" zusammen, die von vielen Weibchen betreut werden. Die Küken sind allerdings schon sehr früh recht selbständig.

Flügge: 65-75 Tage, die Jungen sind meistens schon ab dem 50. Tag selbständig.

 

Nahrung: Die Eiderente ernährt sich fast ausschließlich auf tierischer Basis. Zur täglichen Nahrung zählen vor allem Mollusken und Krustentiere (Krabben). Auch Muschelbänke werden nach passender Beute abgesucht, wobei Muscheln mit Schale verschluckt werden. Bevorzugt werden Muscheln mit Längen von 7 bis 40 mm erbeutet. Auch Wasserinsekten und Hohltiere können zum Speiseplan gehören (zu den Hohltieren Nesseltiere und Rippenquallen).

 

Feinde: Biotopverluste, Bejagung, Großmöwen, Fuchs

 

Jagdbare Wildart: Nein

Jagdzeit: Nein

 

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Eiderente sitzend am Strand

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Anseriformes (2. Teil), Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1969

Svenson, Lars et. al, Der Kosmos Vogelführer, Franck-Kosmos Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2. Auflage 2011

 

Bundesamt für Naturschutz: Nationaler Vogelschutzbericht 2019 - Eiderente - Ble...E - Brutvögel (pdf Download)

 

 

Bildnachweise