Der Eissturmvogel (Fulmarus glacialis)

 

 

Der Eissturmvogel gehört zu den Sturmvögeln. Auffallend sind seine langen und schmalen Flügel sowie die recht klobige Röhrennase. In seinem Aussehen und Verhalten ähnelt er sehr den größeren Möwen. Eissturmvögel brüten in Kolonien an steilen Küsten.

 

Grundsätzlich ist der Eissturmvogel ein Brutvogel im Nordatlantik, Nordpazifik und im Nordmeer. Seine größten Brutkolonien befinden sich in Europa auf Island, Färöer, Svalbard (Spitzbergen), Großbritannien und im Süden von Norwegen. Der einzige Brutplatz in Mitteleuropa befindet sich auf der deutschen Hochseeinsel Helgoland. Dort existiert seit ca. 1950 wieder eine Brutkolonie. 

 

Außerhalb der Brutzeit ist der Eissturmvogel zu allen Zeiten Gastvogel an den Küsten West-, Nordwest- und Mitteleuropas, besonders in Herbst und Frühjahr sind immer wieder Sichtungen an den Küsten möglich.

 

eissturmvogel
Eissturmvogel auf dem Nest
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Eissturmvögel in der Brutkolonie

 

Steckbrief: Eissturmvogel

 

Brutzeit – Gelege - Größe - Gewicht - Alter - Nahrung - Biotop

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Schnepfen-, Möwen- und Alkenvögel (Charadriiformes)

Familie: Sturmvögel (Procellariidae)

Gattung: Eissturmvögel (Fulmarus)

Art: Eissturmvogel

 

Wissenschaftlicher Name: Fulmarus glacialis Linneaeus 1761

 

Namen und Synonyme des Eissturmvogels

 

Artname in Englisch: Northern Fulmar

Artname in Französisch: Fulmar boréal

Artname in Spanisch: Fulmar Boreal

Artname in Italienisch: Fulmaro

Artname in Niederländisch: Noordse Stormvogel

Artname in Finnisch: Myrskylintu

Artname in Dänisch: Mallemuk

Artname in Norwegisch: Havhest

Artname in Schwedisch: Stormfågel

Artname in Isländisch: Fýll

Artname in Färöisch: Havhestur, Náti

Artname in Inuktitut: Qaqudluk, Qaqulluk

Artname in Polnisch: Fulmar

Artname in Russisch: Глупыш

Artname in Japanisch: ギンフルマカモメ, フルマカモメ

Artname in Nordsamisch: Bupmálas

 

 

Beschreibung des Eissturmvogels

 

Vorkommen / Verbreitung: Der Eissturmvogel ist ein Brutvogel des Nordatlantik und des Nordpazifik. Brütet teilweise in großen Kolonien. Der östlichste Punkt der Verbreitung liegt bei der Hochseeinsel Helgoland, weitere Kolonien auf den Britischen Inseln, Norwegen. Ansonsten große Kolonien auf Island, Färöer, Spitzbergen (Svalbard), Franz-Joseph-Land, Jan-Mayen-Insel, Nowaja Semlja, Grönland Ost- und Westküste, Neufundland und die arktischen Inseln Kanadas, Ostsibirien - Kamtschatka.

 

Wanderungen: Die Jungvögel des Eissturmvogels begeben sich auf Zerstreuungswanderungen auf der Nordhalbkugel. Das Wanderungsgebiet reicht vom Südlichen Eisrand bis zum 43. Breitengrad Nord. Ostsee und Mittelmeer werden nur in Ausnahmefällen besucht. Die Brutvögel der Hocharktis verlassen zwischen November und Februar die Brutgebiete und begeben sich in südliche Gefilde.

 

Lebensraum – Biotop: Der Eissturmvogel hält sich außerhalb der Brutzeit auf dem offenen Ozean auf und kehrt nur zur Brutzeit an die Küste zurück. Als Brutplätze werden felsige Inseln und Küstenabschnitte aufgesucht. Auf Spitzbergen wird auch bis zu 10 km landeinwärts gebrütet.

 

Verhalten: Eissturmvögel sind tag- und nachtaktiv. Während der Brutzeit in der Kolonie sind sie überwiegend tagaktiv. Die Nahrung wird fast ausschließlich von der Wasseroberfläche aufgenommen.

 

Kennzeichen: Stark möwenähnlich. Auffällig ist die klobige Röhrennase. Es gibt zwei Farbphasen: Die helle Farbphase hat einen überwiegend weißen Körper, hellgrauen Rücken und Flügeloberseiten. Die dunkle Farbphase ist überwiegend graubraun. Im Flug meist segelnd mit steif ausgestreckten Schwingen.

 

Schnabel: grünlich, bräunlich, grau oder gelblich; Schnabelspitze meist gelblich

Nasenröhre: dunkel bis gelblich

Füße: blass bläulich, auch gelblichgrau

Iris: dunkelbraun.

 

Größe: 45-50 cm

Gewicht:

♂: 760-1000 g; Ø ca. 835 g

♀: 610-855 g; Ø ca. 700 g

Spannweite: 102-112 cm

Flügellänge:

♂: 324-356 mm

♀: 309-337 mm

 

 

Stimme - Ruf: Am Nest eher schweigsam; ansonsten in der Kolonie gackernde, schnatternde und schnurrende Rufreihen.

 

Geschlechtsreife: Erstbrüter überwiegend erst ab 6-12 Jahren.

 

Paarungszeit: monogame Verbindung, hohe Partnertreue. Paarung erfolgt schon vor Ankunft am Brutplatz.

 

Bruten: 1 Jahresbrut.

Eiablage: selten Anfang, meistens Mitte Mai bis Juni.

Brutzeit: Mai bis August, die letzten Jungvögel fliegen noch bis in den September aus.

Brutrevier: Koloniebrüter an steilen Felsen und dort auf schmalen Bändern oder Vorsprüngen.

Nest: Gescharrtes, nur flaches Muldennest.

 

Neststandort: Meistens in direkter Meeresnähe, dort auf Felsbändern von Felsklippen, wo auch abseits der Küste gebrütet wird auch in der Vegetation.

 

eissturmvogel
Eissturmvogel
ei eissturmvogel
Ei des Eissturmvogels - Quelle: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37703474

 

Gelege: 1 Ei, Gelege mit 2 Eiern scheinen von zwei ♀ zu stammen.

Eier: langovales Ei, mit dünner, rauher Schale.

 

Eimasse und Eigewichte:

Länge: 65,5-81,5 mm

Breite: 43,2-54,1 mm

Ø Eimass: 74,0x50,6 mm (n=100)

Frischvollgewicht: 98-104 g

Schalengewicht: 7,8-10,1 g; Ø = 8,5 g

 

Nachgelege: keine Nachgelege.

Brutdauer: 46-51 Tage, im Mittel eher 52-53 Tage, es brüten beide Altvögel

Schlüpfen: Das Schlüpfen erfolgt meist ab Ende Juni bis Ende Juli.

 

Nestlingsdauer: Nesthocker. Das Junge wird während der ersten zwei Wochen immer von einem Altvogel bewacht; Nestlingszeit 46-51 Tage.

 

Flügge: Typisch für Klippenbrüter verlassen junge Eissturmvögel das Nest voll flugfähig.

 

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Eissturmvogel

 

Nahrung: Die Nahrung des Eissturmvogels besteht aus Mollusken, Fischen, planktonische Crustaceen, Medusen, Abfälle von Fischereischiffen, Eingeweide toter Fische, Öl, Fett.

 

Lebensdauer: Der älteste bekannte Ringvogel eine Eissturmvogels hatte ein Lebensalter von mind. 43 Jahren und 10 Monaten. Die Ø Lebenserwartung liegt bei ca. 34 Jahren

 

Mortalität: Recht hohe Überlebensrate; im Ø überleben ca. 97% der adulten Vögel pro Jahr.

 

Feinde und Gefährdungen: Nahrungsmangel, z.B. durch Überfischung der Sandaale in der Nordsee. Ansonsten bestehen die Hauptursachen der Gefährdung in der Verschmutzung des Lebensraumes durch Öl und Abfall. Wo noch ausgeübt ist auch das Einsammeln der Eier eine massive Gefährdung der Population.

 

Jagdbares Wild: Nein

Jagdzeit: Nein. Naturschutz

 

 

Quellennachweise

 

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 1+2, Sonderausgabe 2012, Aula Verlag, Wiebelsheim

Bauer, Hans-Günther, Bezzel, Einhard et. al. (HG), Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Band 3, Literatur und Anhang, Aula Verlag Wiebelsheim, 2. vollständig überarbeitete Auflage 1993

Bezzel, Einhard, Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Non-Passeriformes, Band 1, AULA-Verlag Wiesbaden, 1985

Bruun/Singer/König/Der Kosmos Vogelführer, Franck'sche Verlagshandlung Stuttgart, 5. Auflage 1982

Glutz von Blotzheim, Urs et. al (HG), Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Gaviiformes - Phoenicopteriformes , Akademische Verlagsgesllschaft Wiesbaden, 1966

 

 

Bildnachweise

 

Ei des Eissturmvogels - Quelle: Von Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37703474